"Sollen wir als zuständige Sicherheitsbehörde diese Gefahr für Leib und Leben ignorieren?"

Immer samstags veröffentlicht die Main-Post einen Samstagsbrief. Das ist ein offener Brief, "den eine Redakteurin oder ein Redakteur  an eine reale Person schreibt – und tatsächlich auch verschickt. An eine Person des öffentlichen Lebens, die zuletzt Schlagzeilen machte." Am 16. März 2024 richtete sich der Samstagsbrief an Landrat Thomas Bold. Das Schreiben bezieht sich auf den Streit um die Sperrung der Fränkischen Saale im Landkreis Bad Kissingen. (Der Artikel befindet sich hinter der Bezahlschranke)

In dem Brief stellt Redakteur Simon Snaschel u.a. die Frage, ob das Verbot "wirklich nicht zu vermeiden oder zumindest abzumildern" gewesen sei. Zudem heißt es, in der Sache sehe der Landkreis Bad Kissingen "einfach schlecht aus", auch sei das Verbot "mit derart weitreichenden Folgen" doch "sehr plötzlich" gekommen. Snaschel hinterfragt, ob man sich nicht vorher mit allen Beteiligten an einen Tisch hätte setzen können, "um die Entwicklungen zu besprechen und Lösungen oder Perspektiven zu finden". "Hätten Sie als Landrat nicht alle Hebel in Bewegung setzen müssen, um die Lage nicht derart eskalieren zu lassen?"
 


Auf diesen Brief formulierte Landrat Thomas Bold folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr Snaschel,

mit dem Kanu über die Fränkische Saale schippern und dabei unbekümmert die Natur genießen: So idyllisch dieses Bild anmutet – es entspricht aktuell nicht mehr der Realität, leider. Die Traumlandschaft ist der Wirklichkeit zum Opfer gefallen, dem Klimawandel: Trockenheit, unterspülte Wurzeln, Pilzbefall und Biberfraß setzen den Bäumen massiv zu. In unseren Wäldern sind deshalb schon zahlreiche Bäume umgefallen, Wege mussten gesperrt werden. Dafür haben die Menschen Verständnis, weil sie sich wenige Meter weiter einen neuen Weg bahnen können. Einen Fluss können wir nicht einfach umleiten!

Mehrere Tausend Bäume drohen entlang der Saale im Landkreis Bad Kissingen umzustürzen. Ohne Vorwarnung. Eindringliche Warnungen hingegen kamen vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen, das für die Pflege der Saaleufer zuständig ist. Die Behörde war auf die rasante Entwicklung nicht vorbereitet, innerhalb kürzester Zeit kamen die Mitarbeitenden mit der Pflege des Baumbestandes nicht mehr hinterher. 

Sollen wir als zuständige Sicherheitsbehörde tatenlos zusehen? Nein! Wir mussten reagieren. Alles andere wäre unverantwortlich gewesen. Dass wir damit Paddel-Begeisterten den Spaß nehmen, dass Bootsverleiher, Gastronomen und Hotel-Betreibende finanzielle Einbußen zu verkraften haben, bedauern wir sehr. Wie sehr uns das Bootswandern am Herzen liegt, zeigt die Tatsache, dass wir mit LEADER-Fördermitteln Ein- und Ausstiegsstellen geschaffen und Infotafeln angebracht haben – und eben deshalb auch eine besondere Verantwortung tragen.

In Würzburg hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet, nachdem eine Frau im Ringpark von einem umstürzenden Baum getötet wurde. In Augsburg wurde ein Kleinkind von einem Baum erschlagen. Im letzten Fall wurde der Baumkontrolleur freigesprochen, weil er den Sturz nicht vorhersehen konnte. Wir aber wissen, wie es um Tausende Bäume am Saaleufer steht. 

Sollen wir diese Gefahr für Leib und Leben ignorieren, Herr Snaschel? Würde etwas passieren, würden Sie und Ihre Kollegen – zurecht – die Frage stellen: „Herr Landrat, wie konnte das passieren?“

Herr Snaschel, wie hätten Sie mit diesem Wissen und dieser Verantwortung entschieden? 

Plötzlich kam die Sperrung nicht: Bereits im vergangenen Jahr haben wir mit den Verantwortlichen Gespräche geführt und daraufhin vom Bootswandern auf der Saale abgeraten. Damals stand die Anzahl der betroffenen Bäume noch nicht fest, nun liegen die Zahlen auf dem Tisch. Hätten wir nach umfassender Kenntnis weitere Gespräche geführt, es hätte nichts an der bestehenden Gefahr und damit an der unvermeidbaren Sperrung geändert.

An dieser Stelle bekräftige ich auch noch einmal: Obwohl die Uferpflege nicht unsere Aufgabe ist, sind wir gerne bereit, das Wasserwirtschaftsamt fachlich sowie personell so gut es geht zu unterstützen!

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