Alter Fränkischer Satz, besser.

Edles Design trifft auf viel Liebe für traditionelle Details - so kommt er daher, der erste Wein des Landkreises Bad Kissingen aus dem Museumsweinberg bei Hammelburg. Sein Name: Frantiquo.     

80 Flaschen Ertrag verzeichnete die erste Lese des neuen Tropfens mit historischen Wurzeln. Landrat Thomas Bold war einer der ersten, die den Landkreis-Wein kosten durften. Sein Fazit: „Ein einmaliges Geschmackserlebnis“.
Zusammen mit dem Ersten Bürgermeister der Stadt Hammelburg, Armin Warmuth, und Josef Engelhart von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau zog Bold eine erste Bilanz des MainMuschelkalk LIFE+ Naturprojektes am Hammelberg. „Auf einer Weinanbaufläche von 6000 Hektar in ganz Franken, wird auf nur noch acht Hektar der Alte fränkische Satz angebaut. Unser Ziel war es, im Gebiet der ältesten Weinstadt Frankens die Ursprünge mit diesem Museumsweinberg erlebbar zu machen und gleichzeitig die Biodiversität zu steigern. Das ist uns gelungen. Wir freuen uns, dass das Projekt bereits bei zahlreichen Gästen auf Interesse gestoßen ist.“

Vor drei Jahren wurden über 500 Pflanzen des sogenannten „Alten fränkischen Satzes“ nach historischem Vorbild gesetzt. Sorten wie Adel- und Vogelfränkisch, Weißer Heunisch, Hartblau, Süßrot, und Co. gesellten sich zu Weißem Riesling, Gewürztraminer, Grünem, Blauem, Rotem und Gelbem Silvaner und Gelbem und Rotem Musakteller. Angelegt sind die Rebstöcke auf dem rund 1.000 m2 großen Museumsweinberg nach der fränkischen Kopferziehung. Dabei werden die Reben an drei Pfählen hochgebunden, wobei der Kopf des Stockes relativ niedrig am Boden sitzt und im Winter durch Laub und Erde geschützt ist. Diese Methode ist relativ arbeitsaufwändig und bedarf viel Handarbeit.

Pressefoto Wein
V.l.: Armin Warmuth (Bgm. Stadt Hammelburg), Landrat Thomas Bold, Josef Engelhart (Bay. Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim), Marcel Hümmler (Winzer), Roland Lenhart (Sachgebietsleiter Umwelt, Lkr. Bad Kissingen)

Trotz dieser Anbauart berichtet Weinküfermeister Marcel Hümmler, der den Weinberg im Namen des Landkreises Bad Kissingen bewirtschaftet, von 70-prozentigen Frostschäden im vergangenen Jahr. Es sah zunächst schlecht um den Pflanzenbestand aus. Doch die Mischung der Rebsorten des alten fränkischen Satzes diente früher wie heute eben auch dazu, immer eine ausreichende Menge an Weintrauben ernten zu können, trotz klimatischer Unbilden. Jede Weinrebe hat ihre eigenen Ansprüche was Wetter und Niederschläge betrifft: Ist es warm, entwickeln sich die Wärme liebenden Reben gut, bei Kälte gedeihen die frostsicheren Reben besser. So brachte die erste Ernte am Museumsweinberg – trotz Frost - rund 60 Liter Ertrag.
Dieser soll sich zukünftig noch steigern. Vermarktet wird der Wein dann vor allem über das Weingut Hümmler, aber auch über den Landkreis Bad Kissingen.    

Genauso wie das Projekt, dessen Resultat der edle Tropfen ist, ist auch der Name „Frantiquo“ etwas Besonderes. Er ist eine eigene Wortschöpfung und eine Mischung aus „Franken“ und „Antiquo“, dem lateinischen Wort für alt / das Alte. Franken steht hierbei für ein klares Bekenntnis zur Region und als Schlüssel für die Herkunft des Weines. Antiquo steht stellvertretend für die sehr lange Tradition des Weinbaus im Landkreis Bad Kissingen sowie für die Besonderheit des historischen Weinbaus und die traditionelle Drei-Pfahl-Erziehung der Rebe.

IMG_6179   Weinetikett

Hintergrund:
Der Musterweinberg wurde im Jahr 2015 im Rahmen des MainMuschelkalk LIFE+ Naturprojektes angelegt und liegt im FFH- Gebiet (Fauna-Flora-Habitat-Gebiet) am Hammelberg.
Nicht nur Wanderer, Weinliebhaber und Fachleute finden das Projekt reizvoll: Die Begleitflora und die in diesem Zusammenhang wiedererrichteten Trockenmauern helfen, die Biodiversität am Hammelberg zu steigern. Pflanzen und Tiere, die die Wärme und die Trockenlagen lieben, sind hier willkommen.
Aus naturschutzfachlicher und kulturhistorischer Sicht sind diese Trockenhänge landesweit, wenn nicht sogar bundesweit, von herausragender Bedeutung. Aus diesem Grund wird die Naturschutzarbeit auf diesen Flächen auch durch die Europäische Union im Rahmen des LIFE-Projektes gefördert.
Von der eindrucksvollen Natur und dem historischen Weinberg können sich Interessierte zum Beispiel bei einer Tour entlang des in diesem Zusammenhang entstandenen Weinwanderwegs, den die Untere Naturschutzbehörde gemeinsam mit Frankens Saalestück realisiert hat, überzeugen.

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